„Einsteigen und festhalten, bitte! Es geht looooohooos….! Eine neue Runde, ein neuer Ritt um die Sonne!“

So oder so ähnlich müsste sich die Lautsprecherdurchsage in der Wartehalle meines Lebens zum Jahreswechsel angehört haben. Und nun sitze ich wieder in diesem Karussel. Und alles was sich geändert hat ist die Zahl hinter der Monatsangabe. 2021. Mein Freund wird lachen, wenn er bemerkt, dass ich heimlich die Quersumme ermittelt habe (5!! Habe ich im Kopf gerechnet und bin stolz drauf. Denn meine mathematische Legasthenie scheint aus seiner Sicht doch stärker ausgeprägt zu sein, als ich dachte…)

2021 soll nun das Jahr werden, in dem Impfstoffe gegen ein Virus, dessen Herkunft immer noch nicht zu gänzlicher Zufriedenheit der Anführer der freien Welt geklärt wurde und dessen Wucht den Notausknopf der Welt sehr tief gedrückt hat, ein normales Leben wieder ermöglichen soll.

 Bis dahin berichte ich an dieser Stelle über meine persönliche Sicht auf das Leben in dieser verrückten und durchaus herausfordernden Zeit.

Der Col

Meine Bekannte erzählte mir neulich, dass ihre achtjährige Tochter, die sie neben ihrer Stelle im Personalwesen eines Dax30-Unternehmens im Homeschooling betreuen muss (weil Schulen mittlerweile auch wieder geschlossen sind), ihr wortlos einen Zettel überreichte mit der Frage, wie lang sie denn noch im „Col“ sei. Was sie natürlich meinte, war die über Skype oder Zoom oder Teams (habe ich irgendjemanden vergessen?) geführte Telefonkonferenz. Früher manchmal auch „Telko“ oder „Teko“ genannt. Wobei mir letzteres persönlich besser gefällt, denn die Nähe zu Theke ist orthografisch leicht herstellbar, was gleichzeitig die Nähe zu Alkohol und dem Feierabendvino impliziert. Jedenfalls war meine Bekannte in diesem „Col“, in dem jetzt plötzlich jeder zu jederzeit zu stecken scheint.

Vor ein paar Jahren war dieser Begriff noch den hippen, lässigen und schönen Menschen aus Werbeagenturen vorbehalten. Als ich meine in einer mittelgroßen Agentur tätigende Freundin pre-Corona über das Wochenende in München besuchte und sie bei meiner Ankunft von der Arbeit abholen wollte, kreischte ihre Kollegin (sehr groß, sehr blond, sehr hübsch, sehr München eben) vom Agenturbalkom: „Die Franziska ist noch im Caaaaaaaaaaaall!“ Selbstverständlich hatte sie ein Glas Prosecco in der Hand. Um 13:00 Uhr. Was mich wieder zu Theke und Teko führt. Wann haben wir also angefangen das Wort Telefonkonferenz zu ersetzen? Warum ist es nicht mehr möglich zu sagen: „Schatz, ich habe noch ein Telefonat bis 13:30 Uhr und dann mache ich Dir selbstverständlich den Wein auf?“ Nur weil wir plötzlich alle so wahnsinnig digital von Zuhause aus über das Internet telefonieren? Oder weil die Welt in Zeiten der Krise doch stärker zusammengerückt ist – trotz der gebotenen sozialen Distanz – und damit alle ökonomisch wesentlichen Begriffen nur ausschließlich auf Englisch genutzt werden?

Die Frage wird sich wahrscheinlich nicht abschließend klären lassen. Was mir jedoch bewusst ist: Ich muss mich über kurz oder lang mit diesen „Calls“ anfreunden, um den Anschluss nicht zu verpassen.