Dieser Tage ist es nicht leicht, sich als Anhänger des VfL Wolfsburg zu bekennen. “Charakterlos” und “Blutleer” sind nur einige Begriffe die in den vergangenen Tagen über die Spieler des VfL gesagt wurden.

Nach der Niederlage gegen Borussia Dortmund ist nun auch noch “VfL verliert Respekt vor sich selbst” dazu gekommen. Doch dabei ist die Situation mehr als bedenklich. Zwei Spiele bleiben der Mannschaft um Dieter Hecking noch, um die Relegation zu vermeiden. Etwas wovon alle im Moment sagen – das wird schon nicht passieren – oder sollte ich das einschränken auf: wovon alle Verantwortlichen des VfL im Moment sagen…

Der Fan zumindest sieht die Situation nicht ganz so gelassen und auch der ein oder andere (unser Manager Klaus Allofs) erkennt: “Das ist Mittelmaß, im Moment sogar ein bisschen weniger.” Nun muss man aber aufpassen, dass “…ein bisschen weniger” nicht dazu führt, ein Relegationsspiel zu bestreiten. Wenn schon beim Bericht über den HSV im öffentlich-rechtlichen Fernsehen gesagt wird, das der HSV spätestens im nächsten Spiel gegen den VfL Wolfsburg den Klassenerhalt sichern wird und nicht kann, weiß man, was in der Republik den Spielern des VfL Wolfsburg zugetraut wird – nichts! Glücklicherweise ist ein direkter Abstieg nicht möglich – da Eintracht Frankfurt und Werder Bremen am letzten Spieltag direkt aufeinandertreffen, aber die Relegation ist nicht ausgeschlossen!

Wo liegen also die Probleme beim VfL Wolfsburg. Sind es in der Tat nur die Spieler, oder sind an anderer Stelle auch “Fehler” gemacht worden?

Unser Manager

Das Klaus Allofs einer der Besten Manager in der Fußball Bundesliga ist, ist unbestritten. Trotzdem sind meiner Meinung nach auch an dieser Stelle Fehler passiert. Der Verkauf von Kevin De Bruyne war aus wirtschaftlicher Sicht in jedem Fall sinnvoll. Spielerisch und natürlich auch von der Einstellung, dem unbändigen Siegeswillen, wurde kein adäquater Ersatz verpflichtet, was – wenn man die Qualität eines De Bruyne berücksichtigt – auch verständlich ist. Mit dem Verkauf von Ivan Perišić ging dann ein weiterer Führungsspieler kurz vor Ende dieser Transferperiode. Als Ersatz bzw. Ergänzung kamen dann Julian Draxler, Dante und Max Kruse. Alles Namen die vom Papier her immer Sinn machen, aber auch spielerisch und vor allem charakterlich?

Über Max Kruse wurde in der Vergangenheit der Stab gebrochen und aus diesem Grund verzichte ich hier auch darauf, trotzdem darf man von einem Nationalspieler – als man ihn geholt hat war er ja noch einer – mehr erwarten. Die Verpflichtung von Dante kann ich jedoch nicht nachvollziehen. Dante hatte unter einen der besten Trainer der Welt keine Chance mehr auf Einsatzzeit und diesen Spieler holen wir. Hat der Manager mal gefragt warum Pep Guardiola nicht mehr auf den Spieler Dante setzt, oder wurde hier nur der Name verpflichtet? Das dann Tim Klose freiwillig zum abstiegsbedrohten Premier League Club Norwich City wechselt, hätte eigentlich die Augen und Ohren öffnen müssen. Der Königswechsel gelang dann mit Julian Draxler. Deutscher Nationalspieler und ein unglaubliches Talent, was aber auch entwickelt werden muss. Damit wären wir dann beim Trainer, der die einzelnen Spieler entwickeln muss – sofern sie denn wollen.

Der Trainer

In der letzten Saison war Dieter Hecking der Trainer! Ließ attraktiven Fußball spielen und holte neben dem 2. Platz in der Bundesliga auch den DFB-Pokal nach Wolfsburg. Also alles richtiggemacht, ein guter Trainer! Aber ist er das wirklich? Gehört es nicht auch zum Trainerberuf, aus 22 oder wie viele auch immer Einzelkönnern ein Team zu formen? Ist es nicht die Aufgabe des Trainers ein Spielsystem zu entwickeln, welches sein Team zu leisten vermag? Gehört nicht die Weiterentwicklung von Talenten zu diesen Aufgaben? Muss ich nicht mein System ändern, wenn der Gegner mit einer anderen Erwartung ins Spiel geht?

Ich möchte hier nicht falsch verstanden werden, ich denke das Dieter Hecking ein Trainer ist, der zum VfL Wolfsburg sehr gut passt, aber auch unser Trainer muss sich hier entwickeln. Jeder, aber auch wirklich jeder im Stadion weiß, dass unser Trainer freiwillig nicht vor der 65. Minute auswechselt. Ist das Stur Sinnigkeit oder einfach nur Gewohnheit? Junge Talente haben keine Chance zu zeigen was Sie können, immer wieder nur Andeutungen! Ein Beispiel gefällig: In dieser Saison geht es ja um fast nichts mehr (außer siehe oben). Man könnte also jungen Spielern mal die Chance geben. Dann ließt der geneigte Fan in der Zeitung, dass der ein oder andere Nachwuchsspieler ja vielleicht eine Chance verdient hätte. Der Trainer kommentiert das mit: “Ausschließen kann man nie etwas…”. Jeder kennt aber schon die Antwort vor dem Spiel: Hecking lässt die nie und nimmer spielen! Das der Trainer trotz teilweise katastrophalen Spielen sich vor die Mannschaft stellt, spricht für ihn. Draufhauen bringt in den meisten Fällen auch nichts, aber ab und an mal an der richtigen Stelle ein Zeichen setzen wäre nicht verkehrt. Ob ihm die Spieler das danken werden sei mal in Frage gestellt, aber schaden kann es auch nicht. Gedankt haben Sie ihm ja auch nicht, dass er sich trotz der gezeigten Leistungen vor sie gestellt hat.

Die Mannschaft

(oder “die Charakterlosen”)
Eine sehr harte Formulierung von den Spielern des VfL Wolfsburg als “Mannschaft” zu sprechen. Es sind ja auch nicht alle charakterlos, aber Sie sind in jedem Fall auch kein Team. Wozu die Spieler in der Lage sind, haben Sie im Heimspiel gegen Real Madrid gezeigt. Ja gut, Madrid hat den VfL Wolfsburg unterschätzt – zumindest im Hinspiel, aber trotzdem hat jeder, aber auch wirklich jeder für das gemeinsame Ziel gekämpft, dem Nebenmann geholfen und mit etwas Glück auch eine der besten Mannschaften Europas gezeigt, dass man selber keine Laufkundschaft ist. Viele vermuten, das war die Plattform, auf der sich jeder einzelne zeigen wollte, für einen besseren Vertrag und auch einen anderen Verein – eine Theorie die nur schwer zu entkräften ist, wenn man sich die letzten Spiele anschaut.

Passend dazu ist dann auch das Interview von André Schürrle nach der 1:5 Katastrophe gegen Borussia Dortmund. “Wenn man mich auf dem Platz sieht, bin ich da, habe meine Aktionen und schieße meine Tore. Ich will dem VfL und bei der EM auch Deutschland helfen. Dafür muss ich meine Leistung beibehalten”. Da hoffen wir doch mal alle, dass es andere Spieler im deutschen Kader gibt, die eine noch bessere Form haben. Sonst reisen wir doch recht schnell aus Frankreich wieder ab. Noch schlimmer ist allerdings, dass er nur über sich spricht und nicht von der Mannschaft. Ach ja das hatten wir ja schon – es ist ja keine Mannschaft!

“Es wird den Total-Umbruch geben” – so der Manager – ist in meinen Augen schon einmal die Vorbereitung auf die “Entschuldigungen” in der kommenden Saison. Ich hoffe nicht, dass wir solche Sätze wie: die Mannschaft muss sich erst finden; wir haben so viele neue Spieler, da ist es normal das man Anlaufschwierigkeiten hat, bla bla bla hören werden. Was wir vielmehr wollen ist eine MANNSCHAFT, mit jungen, willigen Spielern und nicht mit “Möchtegern” Nationalspielern (nein ich meine nicht Max Kruse, sondern Herrn Daniel Caligiuri) die sich für den VfL Wolfsburg den Ar.. aufreißen und sich mit dem Verein identifizieren wie z.B. Diego Benaglio und Marcel Schäfer. Spielern denen man auch gern mal einen Fehler verzeiht, aber die WOLLEN!

Die Bildzeitung titelt heute: “Allofs freut sich nur aufs Verkaufen”. Ich möchte ergänzen das er nicht der einzige ist. Wenn man sich die Leistung einzelner Spieler anschaut, dann wird unser Manager einiges zu tun haben im Sommer. Ob er auch nach einem neuen Trainer ausschaut hält ist schwer zu sagen – aber schaden kann es ja nicht, einen Plan B zu haben. Wieso denn nun ein Trainer, Allofs hat doch gesagt wir haben hier keine Diskussion. Nun an der Stelle empfehle ich mal den folgenden Artikel: Trainerdiskussion: Allofs-Interview lässt Spekulationsspielraum. Der ein oder andere Trainer wäre ja auch zu haben. Aktuell sind ja die folgenden Trainer auf dem Markt: McClaren, Veh, Schaaf, Frontzeck, Zorniger, Gisdol, DiMatteo, Korkut, Luhukay, Jens Keller, Slomka, Bernd Schuster und Lucien Favre. Die Liste ließe sich noch weiterführen, aber ich denke nicht, dass es aktuell nur am Trainer liegt, obwohl ich mir auch sehr gut Lucien Favre als VfL Trainer vorstellen könnte.

Aber Trainer hin oder her, ich wünsche mir realistische Ziele für die kommende Saison aber vor allem, dass man aus dieser Saison lernt! Nicht nur Namen zu verpflichten, sondern auch guckt ob der Mensch zum Verein, zur Stadt und vor allem zum Team passt. Eine langfristige Strategie mit einem Spielsystem was vor allem auch junge Spieler auf 1. Liga Niveau bringt. Denn dann brauche ich mir nicht mehr Gedanken darüber zu machen, ob ich den Dauerkartenbesitzern – denen gekündigt wurde – gratuliere oder ob ich darüber nur noch verwundert den Kopf schütteln muss.